Der Westerturm


Westerturm
Westerturm

Ganz gleich, aus welcher Richtung man sich Duderstadt nähert, stets wird der Blick durch den Turm mit seinem im eleganten Linksdrall gezogenen Helm gefesselt.
Es gibt im deutschen Sprachraum eine ganze Anzahl gedrehter Türme, aber keinen, dessen Drehung solch harmonische Linienführung aufzuweisen hat wie der Duderstädter Westerturm.
Ein bekannter Architekt versuchte 1948 hinter die Ursache der eigenartigen Drehung zu kommen. Er sprach von dem "überlegenen Virtuosentum und dem Raffinement des handwerklichen Könnens der mittelalterlichen Baumeister" und schloß mit der Feststellung: "Dieser Turm ist offensichtlich so gewollt".
Ein Jahr später stellte ein anderer Architekt, der in den Turm kletterte, nach eingehender Untersuchung fest: Die merkwürdie Formänderung ist die Folge eines Konstruktionsfehlers, die im wesentlichen darauf beruht, daß die Sparren zwar gegen ein Durchbiegen nach innen, nicht aber zur Seite hin gesichert waren. Es fehlen die Schwerter und die üblichen Andreaskreuze. Außerdem ist der sogenannte Kaiserstiel nicht durchgehend.
Der schon 1348 erwähnte Turm brannte 1424 bis auf das Mauerwerk nieder. Der Wiederaufbau dauerte 12 Jahre.
Der Volksmund führt die Drehung der Turmspitze auf die nicht geölte Wetterfahne bzw. den Teufel zurück, der die Männer zum Trank verührte. Auf der Flucht vor den Duderstädter Frauen wollte er sich am Turmknauf festklammern und riß dabei im Schwund die Spitze herum, bevor er endgültig über die Mauer entschwand.

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